Lackschichtdickenmessung beim Auto: Nachlackierungen und Unfallschäden erkennen

Artikel von Tim Cazin

Ratgeber
Kfz-Sachverständiger von AFR misst die Lackschichtdicke an einem schwarzen SUV

Als Kfz-Sachverständiger in München prüfen wir bei Gebrauchtwagenbewertungen, Fahrzeugbegutachtungen und Unfallgutachten regelmäßig die Lackschichtdicke, um Nachlackierungen und frühere Instandsetzungen zu erkennen.

Eine Fahrzeugoberfläche kann optisch einwandfrei wirken und dennoch bereits lackiert oder instandgesetzt worden sein. Mit bloßem Auge lassen sich solche Arbeiten oft nicht sicher erkennen. Deshalb gehört die Lackschichtdickenmessung zu den wichtigsten zerstörungsfreien Prüfverfahren bei der Fahrzeugbewertung.

Die Messung liefert Hinweise auf Nachlackierungen, Reparaturbereiche oder ungewöhnliche Materialaufbauten. Für eine belastbare Beurteilung müssen die Werte jedoch immer im Zusammenhang mit einer Sichtprüfung und der Fahrzeughistorie betrachtet werden.

Hinweise auf frühere Arbeiten können beispielsweise sein:

Lackschichtdickenmessung mit Messsonde an der Fahrzeugtür

Was misst ein Lackdickenmessgerät?

Das Messgerät erfasst den Abstand zwischen der Messsonde und dem metallischen Untergrund eines Bauteils. Gemessen wird dabei die gesamte Beschichtung oberhalb des Blechs beziehungsweise des Aluminiumbauteils.

Zum Schichtaufbau gehören unter anderem:

Die Messergebnisse werden in Mikrometern (µm) angezeigt. 100 µm entsprechen 0,1 Millimetern.

Serienlackierungen liegen oft im Bereich von 80 bis 130 µm. Diese Werte dienen lediglich der Orientierung. Je nach Hersteller, Lackaufbau, Farbton, Fertigungsprozess oder werkseitiger Nacharbeit können die Schichtdicken deutlich abweichen. Liegen die Werte deutlich über vergleichbaren Messwerten benachbarter Bauteile, kann dies auf eine Nachlackierung oder Instandsetzung hindeuten. Wichtig dabei ist, dass Lackierungen bzw. deren Stärke von Hersteller zu Hersteller abweichen können.

Gründe hierfür können beispielsweise sein:

Ebenso beweisen niedrige oder gleichmäßige Werte nicht zwangsläufig, dass es sich um den werksseitigen Originallack handelt. Auch ein ausgetauschtes Bauteil kann fachgerecht lackiert worden sein und unauffällige Messwerte aufweisen.

Lackdickenmessgerät und Zubehör im Messkoffer

Lackschichtdicke messen: die Methode

Die Messmethode richtet sich nach dem Werkstoff des Bauteils.

Auf Stahlblech arbeiten die Geräte magnetinduktiv. Die Sonde erzeugt ein Magnetfeld, dessen Veränderung zur Bestimmung des Abstands zum Untergrund genutzt wird.

Bei Aluminium und anderen Nichteisenmetallen kommt das Wirbelstromverfahren zum Einsatz. Dabei werden im Werkstoff elektrische Wirbelströme erzeugt, deren Rückwirkung auf die Sonde ausgewertet wird.

Beide Verfahren messen nicht die Lackschicht direkt, sondern berechnen die Gesamtschichtdicke aus physikalischen Veränderungen im Messsystem.

Viele moderne Kombigeräte erkennen den Untergrund automatisch und wählen das passende Messverfahren selbstständig aus.

Herkömmliche Lackschichtdickenmessgeräte funktionieren nur auf metallischen Untergründen.

Kunststoffteile wie Stoßfänger, Spiegelgehäuse oder bestimmte Kotflügel können mit diesen Geräten nicht geprüft werden. Dieser Aspekt sollte bei der Prüfung eines neueren Fahrzeugs beachtet werden, da der Kunststoffanteil zunehmend steigt.

Die wichtigsten Fragen im Überblick

Welche Lackschichtdicke ist bei einem Auto normal?

Werkseitige Lackierungen liegen häufig zwischen 80 und 130 µm. Die tatsächlichen Werte können je nach Hersteller und Lackaufbau jedoch deutlich abweichen.

Ab welcher Lackschichtdicke ist ein Fahrzeug nachlackiert?

Pauschale Grenzwerte gibt es nicht. Deutlich höhere Werte als an benachbarten Bauteilen können jedoch auf eine Nachlackierung oder Instandsetzung hinweisen.

Kann man Spachtel mit einem Lackschichtdickenmessgerät erkennen?

Hohe Schichtdickenwerte von mehreren hundert Mikrometern können auf den Einsatz von Spachtelmaterial hindeuten. Eine sichere Beurteilung erfordert jedoch weitere Prüfungen.

Funktioniert die Messung auch auf Kunststoff?

Herkömmliche Lackschichtdickenmessgeräte arbeiten nur auf metallischen Untergründen. Kunststoffbauteile können damit nicht geprüft werden.

Wie viele Messungen sind für eine zuverlässige Beurteilung erforderlich?

Eine einzelne Messung reicht in der Regel nicht aus. Für eine aussagekräftige Bewertung werden mehrere Vergleichsmessungen an benachbarten Bauteilen durchgeführt und die Ergebnisse im Gesamtzusammenhang betrachtet.

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